Der Bund Nr.140 / Dienstag, 19.Juni 2001

Friedenstaube dem Militär übermittelt

WORB / Der Eisenplastiker Roger Bertsch erhielt gestern gewichtigen Besuch: Ein Detachement der Übermittlungstruppen holte in seinem Metallgarten die vier Meter hohe Friedenstaube ab, die den Waffenplatz Bülach-Kloten in Zukunft schmücken wird. Nächsten Freitag wird sie zum Anlass des fünfzigsten Geburtstags dieser Truppengattung eingeweiht. cab. Neutral grau, aber ungeheuer gross sind der Sattelschlepper und der Kranlastwagen, die durch die Industriestrasse in Worb auf das ehemalige Verzinkerei-Areal fahren. Wer an der Arbeit ist, legt sie kurz beiseite, um dem Treck zuzuschauen. Vor der Werkstatt des Eisenplastikers Roger Bertsch bleiben sie stehen. Die zusammen mehr als 60 Tonnen schweren Lastwagen holen die im Vergleich dazu fast federleichte, 1,5 Tonnen wiegende Friedenstaube ab. Die Kunden von Roger Bertsch Eisenbezogen, wie der Künstler sich nennt, sind von der Armee: Die Übermittlungstruppen feiern ihren fünfzigsten Geburtstag und haben sich zu diesem Anlass ein Kunstwerk geleistet. Oberstleutnant Edi Rippstein, der einen der Lastwagen gleich selbst gesteuert hat, vermittelte den Kontakt zwischen der Einheit und Gertsch, weil er bereits ein anderes Werk des Künstlers kannte, das vor einem Bunker steht. Für den militärdienstuntauglichen Gertsch war ausschlaggebend, dass der ein bisschen ungewohnte Auftraggeber ihm grosse Freiheiten liess: «Ich fragte, ob ich etwas Armeekritisches machen könnte. Damit waren sie einverstanden.» 5000 Kabelträger Bei seinem Besuch des Waffenplatzes Bülach-Kloten, wo die Taube am nächsten Freitag hingebracht wird, fand er gleich auch das zukünftige Material der Eisenplastik: Kabelträger der «Telefönler». Rippstein organisierte 5000 davon und Gertsch schweisste daraus sein filigranes Geschöpf zusammen. Gemeinsam führen der Oberstleutnant und der Künstler mit den Händen die schwebende Taube auf die Ladefläche des Lasters. «Die Taube wird am Knotenpunkt des Waffenplatzes aufgestellt», sagt Rippstein zufrieden. Auch Bundesrat Samuel Schmid wird dann der feierlichen Einweihung beiwohnen.

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